Fragen an Rheintalgas

Wir möchten mit Rheintalgas unsere Passion für das Thema Biogas aus Lebensmittelabfällen weitergeben. Abfallentsorgung generell und die stinkenden Speisereste im Speziellen sind keine sexy Themen. Man setzt voraus, dass die Mülltonnen vor dem Haus wöchentlich geleert werden, will aber ansonsten mit dem Thema nichts zu tun haben. Im Englischen gibt es dafür den passenden Begriff «NIMBY – not in my backyard». 

Nachhaltiges Biogas ist dringend dem fossilen Erdgas vorzuziehen. Damit können wir sicherstellen, dass wir unseren Nachkommen dieselbe Umwelt hinterlassen, die wir vorgefunden haben. 

Der Biogasprozess ist aus unserer Sicht die mit Abstand beste Möglichkeit Speisereste sinnvoll zu verwerten. Ja, der beste Abfall ist der, der gar nie entsteht. Aber Bananenschalen werden beispielsweise immer im Abfall landen. Daher ist es unsere Aufgabe, mit diesen Ressourcen bestmöglich umzugehen. 

In einer Biogasanlage fressen Mikroorganismen die Lebensmittelabfälle und wandeln sie in einem biologischen Prozess in Biogas um. Dieses Gas zählt dadurch als erneuerbare Energie, da bei der Verbrennung des Gases nur soviel CO2 in die Atmosphäre frei wird, wie die Bananen beim Wachsen aus der Atmosphäre aufgenommen haben. Der Prozess ist also CO2-neutral. Neben der erneuerbaren Energie in Form von Fernwärme bleibt ein Gärrest übrig, der einen ausgezeichneten natürlichen Dünger darstellt.

Unsere Devise lautet: „Einfach machen!“ Oder, um es im Biogas-Jargon auszudrücken: „Vollgas geben!“

Wir haben es satt, über die beste Verwertung von Speiseresten und Bioabfällen nur zu reden. Wir wollen zeigen, dass Biogasanlagen auch im kleinen Stil bestens funktionieren und aufgrund der kürzeren Transportwege noch nachhaltiger sind.

Wenn die Anlage einmal steht, sind übrigens auch regelmässige Führungen und Workshops zum Thema Umweltschutz und Nachhaltigkeit geplant. Biogas ist dafür ein perfektes Lernbeispiel, um über Abfallvermeidung, Abfallsammlung und Abfallbehandlung aufzuklären.

Kreislaufwirtschaft ist in diesem Zusammenhang ein wichtiges Schlagwort. Man könnte dieses Projekt von Rheintalgas als Kreislaufwirtschaft² bezeichnen. Wir verwandeln zunächst auch die unvermeidbaren Speisereste wie beispielsweise Schälreste oder Bananenschalen in Energie und Dünger, wodurch die Nährstoffe dem Boden wieder zurückgegeben werden. Dann gehen wir noch deutlich weiter: Wir machen dies mit extrem kurzen Transportwegen, wodurch im Kreislaufwirtschaftsprozess noch weniger CO2 produziert wird. 

Eine Kleinbiogasanlage kann bis zu 1000 Kilogramm an Lebensmittelabfällen pro Tag verarbeiten. Mit der dabei entstehenden Energie könnten rund 30 Haushalte mittels Fernwärme beheizt werden. Ziel unserer Pilotanlage ist es zunächst aufzuzeigen, dass Biogas einen Teil zur Energiewende beitragen kann und muss. Wenn wir das 1,5-Grad-Ziel erreichen wollen, brauchen wir alle uns zur Verfügung stehenden erneuerbaren Energiequellen. Abgesehen davon müssen wir die anfallenden Lebensmittelabfälle ohnehin entsorgen. Wieso dabei die Energie ungenutzt lassen, wie es beispielsweise bei der Kompostierung der Fall ist?

Aktuell decken wir unseren Energiebedarf hauptsächlich durch importiertes Erdgas.

Dies macht uns einerseits abhängig von anderen Staaten, was uns durch die aktuelle politische Situation besonders vor Augen geführt wird. Andererseits handelt es sich bei Erdgas um einen fossilen Energieträger, der nicht nachhaltig ist. Dadurch rückt die Erreichung der Klimaziele in weite Ferne. In unserer Anlage erzeugen wir neben Biogas auch natürlichen, absolut hochwertigen Dünger. Aktuell sind wir auch beim Dünger von internationalen Importen abhängig.

Eine Kleinbiogasanlage alleine macht Liechtenstein noch nicht energieautonom. Die Errichtung der Anlage ist jedoch ein innovatives Pilotprojekt, das in der Region einzigartig ist und absoluten Modellcharakter hat. Wenn man den gesamten vergärbaren Abfall Liechtensteins in Biogas umwandeln würde, entspräche dies 2,5 Prozent jener erneuerbaren Energie, die in der Energiestrategie 2030 als theoretisch nutzbares Potenzial errechnet wurde.

Die Herstellung von Biogas ist ein natürlicher Prozess. Oftmals werden Biogasanlagen daher mit Geruch verbunden. Heutzutage erfolgt die Betreibung einer Anlage auf technisch hohem Niveau und in der Regel ohne Gestank. Unsere Kleinbiogasanlage ist also nicht nur 100% nachhaltig, sondern auch 100% geruchsarm.

Erfreulicherweise hat die Liechtensteinische Gasversorgung (LGV) grosses Interesse an dem Projekt, da die Nachfrage an Biogas auch in Liechtenstein stetig steigt. Glücklicherweise betreibt die LGV gleich an mehreren Standorten Fernwärmenetze, die als Standorte in Frage kommen. Der derzeit favorisierte Standort ist Triesen, wo es bereits Gespräche mit der Gemeindeverwaltung gab.

Wir möchten eine so breite Unterstützung wie möglich, weil uns das Thema Nachhaltigkeit und Umweltschutz wichtig ist. Im Mai 2022 läuft daher unsere Crowdfundingkampagne auf Startnext. Wir freuen uns sehr darüber, dass Rheintalgas aber bereits vor der Crowdfunding-Kampagne grosse Resonanz erfahren hat. Als Gewinnerprojekt des Ideenkanals 2021 wurden wir bereits durch die Stiftung Lebenswertes Liechtenstein und die Toni Hilti Stiftung gefördert.